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Zumhasch wegen Mahnwache angegriffen

Presse

Rund 80 Menschen nahmen an der Trauerfeier teil.

In der letzten Sitzung des HFA wurde Heinz-Josef Zumhasch wegen seines privaten Engagements in einer Initiativgruppe zur Veranstaltung einer Mahnwache angegriffen. Diese hatte er zusammen mit Nina Peters und Susanne Steinkat initiiert, um den Flüchtlingen, Migranten und BürgerInnen Raum zur gemeinsamen Trauer zu geben. Die CDU warf dem Ortsvereinsvorsitzenden vor, die Flüchtlinge damit instrumentalisiert zu haben, mit dem Ziel, sich und die Partei profilieren zu wollen. In zwei Leserbriefen äußern sich Zumhasch und Andreas Steinkat zu den Vorwürfen.

Heinz-Josef Zumhasch in der WN vom 12.09.15:

Die Mahnwache am Montag vor einer Woche, deretwegen ich im HFA persönlich angegriffen wurde, war eine tief bewegende Veranstaltung. Es ist mir völlig unverständlich, was im Vorfeld  alles versucht wurde, um eine solche Gedenkfeier zu verhindern, klein zu halten oder gar die Teilnahme zu verbieten.

1.  Der Bürgermeister verwies auf  eine mögliche Gefährdung durch Rechtsradikale. Die daraufhin befragte Kreispolizeibehörde sah jedoch keinen Anlass, die Veranstaltung abzusagen. Sie wurde vielmehr ohne Auflagen genehmigt.

2. Herr Annen erklärte mir, er wolle sie trotzdem nicht und verbiete seinen Mitarbeitern die Teilnahme. Damit überschritt er seine Kompetenzen. (Meinungsfreiheit!) In der Ausschusssitzung am vergangenen Donnerstag hat er sich dann korrigiert und ausgeführt, er habe  das Verbot nur  gegenüber der für Flüchtlinge zuständigen Sozialarbeiterin ausgesprochen, was ebenso problematisch ist.

3.  Die CDU warf mir in der Sitzung politische Profilierung und Instrumentalisierung der Flüchtlinge vor. Nur wer ständig in der Kategorie von Profilierung denkt („Nützt es  mir? Schadet es mir?“), kann eine spontane Initiative von drei Menschen schlechtreden.

4.  In der Presseankündigung haben wir kurzfristig darauf verzichtet, die Namen der Initiatoren zu nennen. Denn es wurde im Hintergrund großer Druck gegen eine der Initiatorinnen, die keiner politischen Gruppierung angehört, ausgeübt. Wir wollten eine zu befürchtende Politisierung verhindern, was bis zur HFA-Sitzung auch gelang.

5.  Die CDU warf mir vor, gegen das Konsenspapier der vier Fraktionen zur Flüchtlingsarbeit  verstoßen zu haben. Das Papier regelt im Wesentlichen die Unterbringungsmöglichkeiten für Asylbewerber, die Schaffung der Stelle eines Sozialarbeiters, die Einbindung der Helfer in die Sozialarbeit der Gemeinde. Dieses Konzept trage ich natürlich mit und gehöre zu denen, die daran mitarbeiten, dass es immer effektiver wird. Von einem Verbot, Mahnwachen oder Demonstrationen oder andere Aktionen für Flüchtlinge zu veranstalten, ist sinnvollerweise darin nicht die Rede

6. Auch von einem Teil der Flüchtlingshilfegruppe WI(H)R kam viel Email-Kritik. Tenor: Wir sind nicht gefragt worden. Aber: zwei Minuten, nachdem die Initiatoren der Mahnwache ihre Idee entwickelt hatten, wurde Frau Herich, die Ansprechpartnerin der Gruppe der freiwilligen Helfer, angerufen und informiert. Sie schlug sofort von sich aus vor,  Bürgermeister und  Pastor ebenfalls zu informieren. Und etwas später wurde dann die ganze Gruppe WI(H)R per Email zur Teilnahme eingeladen.

Zum Schluss: Warum dürfen nicht (in diesem Fall:) drei Personen (oder Vereine oder Parteien) ganz spontan eine Idee haben, einladen und darauf hoffen, dass alle, die die schrecklichen Bilder aus den letzten Wochen gesehen haben, sich ebenso anrühren lassen und ganz einfach nur eins tun: kommen und die Trauer teilen?

Andreas Steinkat in der WN vom 11.09.15:

Als mehrfacher Afghanistan Veteran möchte ich zu den geschilderten Angaben Stellung beziehen. Ich habe mit eigenen Augen das Grauen des Krieges erlebt und bis heute nicht vergessen! Ich habe von Sprengfallen und Minen und sonstiger Waffeneinwirkung zerfetzte Leiber von Kindern, Frauen und Männern gesehen. Ein Anblick und Geruch den man unbeteiligten nur sehr schwer erklären kann. Nun bekommt man sich in Ostbevern in die Haare, wer da was für sich ausnutzt.

Ich persönlich kann zu Bericht und Kommentar folgendes sagen. Das die Veranstaltung nicht zur Verbesserung der Lebensumstände der Betroffenen beiträgt, halte ich für ein Gerücht. Diese Veranstaltung diente der Trauerarbeit und Traumabewältigung derer, die durch Krieg, Flucht, Vertreibung und Zerstörung, ihre Angehörigen verloren haben. Dafür muss auch in Ostbevern Platz sein. Eine Veranstaltung derart zu demontieren, sehe ich als Schlag ins Gesicht der Betroffenen. Wer nun auch immer so eine Veranstaltung ins Leben ruft, tut dies aus fester Überzeugung. Und das nicht für Geld und politische Ziele. Das diese Veranstaltung nicht den Engagierten geholfen hat, spielt dabei wohl keine Rolle. Die wollten mit ihren Handeln doch nur einen Raum für Trauer bieten. Und da die Versammlung vom Kreis Warendorf genehmigt war, sehe ich auch hier keinen Grund zur Beanstandung.

Angst, man könne die rechtsradikalen Fanatiker auf den Weg bringen habe ich persönlich nicht. Ostbevern sollte doch mit vereinten Kräften die Sache angehen. Persönliche Befindlichkeiten dürfen bei der Hilfe am Menschen keine Rolle spielen. Ich bin sehr froh, in einem Land leben zu dürfen, in dem kein Krieg und seine Folgen, das Leben derart unmöglich macht, dass ich dieses verlassen muss. Das muss unsere Frage sein! Was muss mich bewegen, dass ich mein Heimatland verlassen muss? Und das mit dem Risiko bei der Flucht umzukommen.