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Paula Haverkamp testet rollstuhlgerechten Einkaufswagen

Integration

Artikel und Foto von Daniela Allendorf

Die WN hat am vergangenen Montag unseren kleinen Probelauf mit dem rollstuhlgerechten Einkaufswagen begleitet. Lesen Sie hier den Artikel vom 06.06.2015:

Noch keine optimale Lösung

 Paula Haverkamp testet rollstuhlgerechten Einkaufswagen

Ostbevern - Optimal ist die Lösung nicht, befindet Paula Haverkamp, nachdem sie den neuen rollstuhlgerechten Einkaufswagen getestet hat. Es hakt gleich an mehreren Stellen. Ob blockierende Reifen oder zu enge Gänge, einfach ist die Fahrt durch den Supermarkt nicht. Und dennoch ist es eine Verbesserung des Status Quo, findet Sebastian Meyberg.

„Mit dem Wagen käme ich hier nicht zurecht“, lautet das Fazit von Paula Haverkamp, nachdem sie gemeinsam mit Sebastian Meyberg und Heinz-Josef Zumhasch den Praxistext mit einem rollstuhlgerechten Einkaufswagen im Edeka-Markt Haveresch gewagt hat.

Schon zu Beginn der Probefahrt ergeben sich Probleme. Der Wagen ist so platziert, dass Paula Haverkamp nicht ohne weiteres Zugang dazu hat. Und auch ein weiteres Hindernis tut sich auf, als sie den rollenden Einkaufskorb vor ihrem elektrischen Rollstuhl platziert hat. Es gilt zwei Halterungen anzubringen und den Einkaufswagen damit am Rollstuhl zu fixieren: „Da komme ich gar nicht richtig dran“, sagt die Ostbevernerin. Sebastian Meyberg hilft, und die Probefahrt durch den Supermarkt kann beginnen.

Doch schon in der ersten Kurve lauert das nächste Problem. Die Räder des Rollstuhls und des Einkaufswagens stehen zu eng beieinander und verkeilen sich in der Kurve. Mit viel Gefühl lenkt Paula Haverkamp ihr Gespann durch die Gemüseabteilung. Platz dafür ist an dieser Stelle noch genug. Am Kühlregal angekommen wird es jedoch eng. Große Aufsteller mit Angebotswaren versperren der Rentnerin den Weg. Kein Durchkommen, geschweige denn ein Herankommen an Milch, Joghurt und andere gekühlte Produkte. Auch an dieser Stelle wäre Paula Haverkamp auf Hilfe angewiesen. Doch die Ostbevernerin zeigt Verständnis: „Es ist klar, dass die Marktbetreiber jeden Zentimeter für die Ware ausnutzen. Das was nicht im Laden steht, kann nicht verkauft werden“, sagt sie und fährt vorsichtig weiter. In den weiteren Gängen dann die nächsten Hindernisse. Mitarbeiter des Supermarktes sind dabei, frische Waren in die Regale zu räumen und beanspruchen für ihre Wagen ebenfalls Platz. Aber auch dafür hat Paula Haverkamp Verständnis. „Das muss sein“, sagt sie und erinnert sich an ihre eigene berufliche Vergangenheit im Einzelhandel.

Unproblematischer ist es, als ihr eine Dame mit Kinderwagen entgegen kommt. Da kann man sich schnell verständigen und noch ein nettes Pläuschchen halten.

Doch die nächsten Hindernisse sind nicht weit. Durch den Einkaufswagen ist es Paula Haverkamp nicht möglich an die unteren Regale zu gelangen. „Da ist der Wagen einfach im Weg“, sagt sie und demonstriert es sogleich. Ebenfalls schwerlich zu erreichen sind die Kassenbänder. Haverkamps Fazit nach der Tour: „Damit würde ich nicht einkaufen fahren.“

Trotzdem findet Sebastian Meyberg die Anschaffung des Einkaufswagens im heimischen Edeka-Markt als eine Verbesserung des Status Quo. Von ihm stammte die Idee, die von der SPD in der Sitzung des Bildungs-, Generationen- und Sozialausschusses Anfang Februar eingebracht wurde. Danach sollte es eine Zielvereinbarung der Gemeinde mit den ortsansässigen Marktbetreibern geben, die sich zu einer Bereitstellung behindertengerechter Einkaufswagen verpflichten sollten. Unterstützung für die Idee gab es seinerzeit im Ausschuss von allen Seiten. Lediglich in der Zielvereinbarung wurde ein Problem gesehen. Bürgermeister Wolfgang Annen versprach jedoch, das Gespräch mit den Inhabern zu suchen.

Sogar noch ein paar Tage vor der Einbringung des Antrags hatten die Betreiber des Edeka Marktes Haveresch an der Engelstraße ebenfalls die Idee für einen entsprechenden Wagen und setzten das unmittelbar in die Tat um. Ganz optimal ist das Angebot jedoch nach dem aktuellen Test nicht. Aber ein erster Schritt in die richtige Richtung, freuen sich Sebastian Meyberg und Heinz-Josef Zumhasch über das Engagement der Betreiber.

Paula Haverkamp hat einen ganz anderen Trick, um zu vermeiden, dass sie ihre Einkäufe auf dem Schoß stapeln muss. „Ich nehme einfach einen von den kleinen Einkaufswagen, die eigentlich für Kinder sind“, sagt sie. Damit sei sie viel flexibler. Um ihn zu fahren habe sie immer eine Hand frei, und die Bewegungsfreiheit vor dem Rollstuhl bliebe erhalten, denn sie könne den kleinen Wagen einfach an die Seite schieben, um an die unteren Regalreihen zu gelangen.